Zu „ewigen Consorten und Mitgenossen der heiligen Engel“ werden – Musikalische Adventsfeier im CB

12.12.2019 |

Um das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen drehte sich alles bei der Adventsfeier heute in der Seminarkirche. Zum Klingen kam dabei neben dem Hauptwerk des Abends, der Bachkantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (BWV 140), auch Philipp Nicolais gleichnamiges Lied. Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy eröffneten und schlossen den musikalischen Abend. Die musikalische Leitung hatte Kirchenmusikdozent Eduard Wagner.

Gleichsam als Invitatorium erklang Mendelssohns Choral „Wachet auf, ruft uns die Stimme!“ aus dem Oratorium „Paulus“. Hörbar wurden darin die von der Orgel schallenden Fanfarenrufe der Wächter auf den Zinnen Jerusalems, die sich in den Chorgesang hineinmischten.
Danach las Monja Sabottka Jesu Gleichnis von den zehn Jungfrauen (Mt 25, 1-13), das der gottesdienstlichen Feier ihr Thema gab.
 
Prof. Dr. Meinrad Walter führte anschließend die Mitfeiernden in der beinahe voll besetzten Seminarkirche in gekonnter Weise mit musikwissenschaftlich-theologischer Expertise zu den ersten vier Sätzen der Bachkantete hin. Sichtbar wurde in Walters Ausführungen auch, wie bibelfest Philipp Nicolai war. Denn fast jedes Wort seines Liedes, das er seinem „Freuden-Spiegel“, einem geistlichen Trostbuch aus dem Jahr 1599 beifügte, greift eine Stelle der Hl. Schrift auf.
Bach griff Nicolais Lied auf und vertonte es in einer seiner wohl bekanntesten Kantaten. Sind Eröffnungschor und Rezitativ der Bachkantate noch auf einen Plural der Jungfrauen ausgerichtet, die – wie im Gleichnis – dem einen Bräutigam entgegengehen, liegt der Fokus im Dialog der Arie, auf einer Jungfrau und so auf dem Verhältnis und Dialog Christi und seiner Braut, den Bach wunderbar vertont im Duett von Bariton (Thorsten Meyer) und Sopranistin (Natalia Ortega Mati).
Nach den ersten vier Sätzen Bachs folgte eine Erklärung zu Nicolais beiden berühmten Liedern, die auch Einzug in das Gotteslob fanden („Wachet auf“ und „Wie schön leuchtet der Morgenstern“), sodass natürlich auch das zweite Lied geradezu erklingen musste – im Wechsel zwischen Gemeinde und Chor.
Spiritual Andreas Brüstle ging in seiner Ansprache dann auf die Lichtmetaphorik im Gleichnis und im Liedruf „Mache dich auf und werde Licht“ ein. Wir selbst könnten nicht in angemessener Weise von uns selbst als „Licht“ sprechen. Nur vom Licht Christi her könne man sich als Christ so verstehen.
„Mache dich auf und werde Licht“ erklang dann als Kanon in der ganzen Kirche.
Im zweiten Teil der Bachkantate (Sätze 5-7) stand die Freude der Erwählung der Braut im Mittelpunkt und damit auch die Verheißung und Hoffnung des Christen, einst zu „ewigen Consorten und Mitgenossen der heiligen Engel“ zu werden. Diese Hoffnung drückte sich aus im Schlusschoral der Kantate („Gloria sei dir gesungen, mit Menschen- und englischen Zungen“; „An deiner Stadt wir sind Konsorten“).
Viel Applaus gab es für den jungen Projektchor, für das Orchester, das hauptsächlich aus Studierenden der Musikhochschule bestand, für die Gesangssolisten (Natalia Ortega Mati, Sopran; Carsten Fuhrman, Tenor; Thorsten Meyer, Bariton) und für Organist Stefan Pöll, der als krönenden Abschluss der Feier noch Mendelssohn Bartholdys Fuge über „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ erklingen ließ.
Regens Christan Würtz bedankte sich bei allen Beteiligten und hob besonders das große Engagement von Kirchenmusikdozent Eduard Wagner für dieses Projekt und für alle weiteren musikalischen Elemente in der Priesterausbildung hervor, wofür Wagner viel Applaus erntete.
Nach diesem Teil konnte im großen Speisesaal bei Glühwein und Weihnachtsgebäck die Musik nachklingen, bevor der Abschluss des Abends mit der Komplet in der Kirche einen rundes Ende nahm. 
An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten, an alle Mühe in der Vorbereitung!