Geschichte

 

Patron: Karl Borromäus

Der Namensgeber des Collegium Borromaueum (oder wie es auch in Kurzform genannt wird: „CB“) ist der Heilige Karl Borromäus (*02.10.1538 +03.11.1584; Heiligsprechung am 01.11.1610). Er setzte sich nach dem Konzil von Trient für eine Erneuerung der Priesterausbildung ein. Eine Statue von ihm ist über dem Hauptportal der Seminarkirche von der Herrenstraße aus zu sehen.
 

Baugeschichte

Auf dem Gelände des heutigen Seminars stand zunächst ein Kapuzinerkloster. In den Jahren 1823-1826 wurde nach Plänen von Christoph Arnold (1779-1836) ein im klassizistischen Stil gehaltenes Gebäude zur Ausbildung zukünftiger Priester mit vier Flügeln und einem Innenhof gebaut. Nach Errichtung der Erzdiözese Freiburg im Jahre 1827 konnten die ersten Theologiestudenten (genannt: Alumnen) in der Priesterausbildung  in das Gebäude einziehen. Das Seminar wurde dann 1842 in die ehemalige Benediktinerabtei St. Peter im Schwarzwald verlegt. Unter staatlicher Aufsicht wurde das heutige Gebäude in der Schoferstraße als Collegium theologicum genutzt.
 

Kulturkampf mit Auswirkungen

In der Folgezeit war die Bestimmung des Hauses immer eng mit dem Ringen zwischen Staat und Kirche verbunden. Nach der badischen Revolution zunächst seines Auftrages enthoben, konnte es unter dem damaligen Bischof Hermann von Vicari (1773-1868) wieder als erzbischöfliche Anstalt eröffnet werden. Während des Kulturkampfes (1874-1883) geschlossen, wurde es nach einer Übergangsphase als Privatpensionat für Theologiestudierende wiederum als erzbischöfliche Anstalt eröffnet.
 

Umbau 1929-1932

Die sich immer wieder stark verändernden Zahlen an Studierenden machten einen Umbau in den Jahren 1929-1932 mit einem Nordflügel, von dem aus West- und Ostflügel abzweigten, unumgänglich. So konnten 260 Alumnen Platz finden. Der Innenhof wurde überdacht und zum Speisesaal umgebaut. Zum Ende dieses Umbaus erhielt das Gebäude auch seinen Namen als „Collegium Borromaeum – Erzbischöfliches Theologisches Konvikt“ anlässlich des Patroziniums vom damaligen Erzbischof Conrad Gröber.
In den Kriegsjahren waren neben den Freiburger Seminaristen auch angehende Theologen aus weiteren Diözesen sowie Seminaristen der Diözese Straßburg im CB untergebracht. Nachdem die Wehrmacht nach und nach weite Teile des Hauses für sich beschlagnahmt hatte, waren die Studenten zeitweilig im Andlaw Haus untergebracht, das in seinem Neubau seit kurzer Zeit das Münsterforum beherbergt und so eine wichtige Anlaufstelle im Kontext der Citypastoral darstellt.
 

Bombenangriff 1944 zerstört Konvikt und Kirche

Beim Angriff auf Freiburg am 27.11.1944, dessen massivste Schäden am CB erst 1950-51 behoben wurden, wurde auch das Erzbischöfliche Konvikt in großen Teilen zerstört.
Aufzeichnungen von Wendelin Rauch, dem damaligen Direktor des Konviktes, zeigen noch heute die Ausmaße des Bombardements. „Wir waren am Abend des 27. eben vom Abendtisch weggegangen, als Alarm gegeben wurde und bald darauf die ersten Bomben fielen. Der Direktor verbrachte sofort das Allerheiligste in den vorbereiteten Tabernakel in dem uns zur Verfügung stehenden Luftschutzraum des Altbaues. Der grössere Teil der Kommunität war während der ganzen Dauer des Angriffs um diesen Tabernakel versammelt. [Am Ende des Angriffs] bot sich dem ersten Blick und dem ersten Rundgang ein erschreckendes Bild der Zerstörung. [...] Der Brand fraß sich durch alle Stockwerke und Flügel hindurch. Als man das Übergreifen auf die Kirche befürchten musste, suchte der Direktor noch einmal Hilfe bei der Marine. [...] Aber angesichts des durch die Holzdecke und die lange Jahre mit Wachs behandelten Böden rasenden Feuers lehnte er eine Hilfe ab. [...] So konnten wir zunächst nur noch den Altaraufsatz und die grossen Statuen von den Seitenaltären bergen und mussten auch die Kirche ihrem Schicksal überlassen. Es war die schwerste Stunde jener Nacht, als in den frühen Morgenstunden das gewaltige Gebälk über dem Chor der Kirche brennend auf den Altar und in den Altarraum niederbrach. [...] In der Zwischenzeit hatte das Feuer über das Hinterhaus des Andlawhauses mit seinen mächtigen Holzkonstruktionen auf das Vorderhaus übergegriffen. [...] Es ist uns aber ein grosser Schmerz, dass die Akten unserer Gefallenen und Vermissten mit den gesammelten Lichtbildern und den anlässlich ihres Todes bei uns eingegangenen persönlichen Äusserungen von Angehörigen und Freunden verloren gingen. [...]“
 

Wiederaufbau und Kirchenneugestaltung

Während das Seminargebäude seine Grundstruktur behielt, gab es in der Seminarkirche massivere Veränderungen im Vergleich zur vorherigen Gestaltung und Ausstattung. Die letzte große Renovierung fand in den Jahren 1997-2004 statt. In diesem Zuge wurden Zimmer, Großer Speisesaal, Bibliothek und Magazin, vor allem aber zahlreiche Leitungen erneuert.
Mit Schließung des Seminars in St. Peter und nach dem Abbruch des alten Hauses St. Georg Anfang der 2000er Jahre befinden sich nun alle Ausbildungsabschnitte der Priesterausbildung in einem Haus. Das Bild im Eingangsbereich unseres Hauses erinnert noch an die unterschiedlichen Ausbildungsstätten (Konvikt und Seminar, angedeutet durch die Fassade des CB’s, Universität, Fassade der Barockkirche von St. Peter bis hin zum Weiheort, dem Freiburger Münster).
 

Heimat vieler Einrichtungen

Durch Rückgang von Studierendenzahlen befinden sich neben den für die einzelnen Ausbildungsabschnitte notwendigen Räumlichkeiten auch zahlreiche Büros für mehrere Abteilungen des Erzbischöflichen Ordinariates und weitere diözesaner Einrichtungen im CB. Diese Veränderungen geben Ausdruck davon, dass geschichtliche Veränderungen sich auch immer wieder an der Nutzung und Gestaltung des Hauses bemerkbar machen (werden).
Das 2020 fertiggestellte „Münsterforum“ in unmittelbarer Nachbarschaft unseres Hauses schließt bspw. die die letzte Baulücke nach dem Zweiten Weltkrieg. Etwas versteckt befinden sich in einem Garten auf dem CB-Gelände Reste der alten Freiburger Stadtmauer.
 

Papst, Bundeskanzler und mehr

Während seines Pastoralbesuches in Deutschland und seinem Aufenthalt in Freiburg wohnte und betete Papst Benedikt XVI. im CB. In unsrem Seminar traf er u.a. auch mit Altbundeskanzler Helmut Kohl zusammen.
Heute dient das Gebäude nicht nur als Ausbildungsstätte, sondern zugleich als Arbeitsplatz für Mitarbeiter des Ordinariates, als Schulungsort und regelmäßig auch als beliebte Lokalität für Großveranstaltungen und Empfänge der Erzdiözese und anderer Institutionen.
 

„Promis“ aus dem CB

Neben beinahe allen in unserem Bistum tätigen Diözesanpriestern verbrachten auch Personen, die später eine größere Bekanntheit erreichten, als Kandidaten die Zeit ihres Studiums in unserem Haus. Genannt seien u.a. Augustin Kardinal Bea, ein Wegbereiter des christlich-jüdischen Dialogs während des II. Vatikanischen Konzils; Klaus Hemmerle, späterer Bischof von Aachen; Karl Kardinal Lehmann, späterer Bischof von Mainz; Emil Wachter, später Künstler, der sowohl durch künstlerische Ausgestaltungen im CB als auch in Kirchen der Erzdiözese Bekanntheit erlangte; Stephan Burger, seit 2013 Erzbischof von Freiburg; Georg Gänswein, später Privatsekretär von Papst Benedikt XVI., Präfekt des päpstlichen Hauses unter Benedikt XVI. und Franziskus; Heinrich Hansjakob, später beliebter Heimatschriftsteller,…