Seminarkirche
Die Seminarkirche bildet das „Herzstück“ des Collegium Borromaeum, da sich hier die Studenten zur täglichen Eucharistiefeier und zum Gebet treffen. Da die Kirche unter Tags geöffnet ist, finden viele im Trubel der Freiburger Innenstadt hier einen Ort der Stille und des Gebets. Das Gotteshaus ist in seiner Baugeschichte bis zur heutigen Gestalt – ähnlich wie das Collegium Borromaeum selbst – einigen Wandlungen in unterworfen gewesen.
Baugeschichte
Nach den Plänen von Christoph Arnold (1779-1836), einem Schüler Friedrich Weinbrenners, wurde die Kirche unter dem Baumeister Georg Riescher (1759-1827) im klassizistischen Stil als Hallenkirche errichtet. Vor der Weihe durch Erzbischof Dr. Bernhard Boll wurde sie von der evangelischen Gemeinde genutzt. Die Stuckdecke und zahlreiche Ausmalungen sowie der Chorraum wurden beim Bombardement Freiburgs am 27.11.1944 zerstört. Auch das Dach wurde schwer beschädigt. Im Zuge des ersten, großen Wiederaufbaues unter dem damaligen Rektor Dr. Robert Schlund (1912-1990) fand die markante Christusdarstellung an der Chorwand ihren Platz. Nach dem II. Vatikanischen Konzil wurden Bänke, Fenster und der Chorraum mit Altar, Ambo und Tabernakel neu gestaltet. Die Vorderwände, an denen früher die Seitenaltäre ihren Platz hatten, wurden immer wieder verändert, bis sie 2009 ihre jetzige Gestalt erhielten. Eine der letzten Veränderungen stellen die Inschrift auf den Glastüren am Eingang dar, welche als Erinnerung an den Besuch von Papst Benedikt XVI. in Freiburg und seine Begegnung mit den Seminaristen angebracht wurden.
Außenansicht
Von außen auf die Kirche zugehend, wird dem Betrachter zunächst der Patron der Kirche, die Statue Hl. Karl Borromäus (*02.10.1538 +03.11.1584 Heiligsprechung am 1.11.1610) ins Auge fallen, welche über dem Hauptportal steht und dem Tiroler Andreas Hochsing (+ 1736) zugeschrieben wird. Die Studierenden können über einen Gang vom CB direkt in die Kirche gelangen.

Innenausstattung
Christus
Im Innern zieht sofort das vom expressionistischen Künstlers Richard Seewald geschaffenen meterhohe Bildnis des wiederkommenden Christus den Blick des Besuchers auf sich. Die Antike Darstellungskunst aufgreifend, wollte der Künstler sowohl die Hoffnung im christlichen Glauben als auch die ständige Erinnerung an die eigene Berufung, welche aus der Begegnung mit Christus erwächst, akzentuieren.
Muttergottes und Hl. Karl Borromäus
Die beiden Seiten rechts und links des Chorbogens werden gesäumt von Darstellungen der Muttergottes und des Hl. Karl Borromäus. Die Marienstatue in der Darstellung mater sapientiae (= Mutter der Weisheit) ist ein Werk, das vermutlich aus dem Norditalien des 14. Jh. stammt. Die Rahmung sowie die Plastik des Heiligen Karl Borromäus auf der rechten Seite, welcher signifikant das Kreuz in Armen hält, stammen von Wolfgang Eckert (2009). Der irdene Grundton des Sockels der Muttergottes und des Hl. Karl Borromäus verweisen mit der humilitas (=Demut) auf das Grundthema des Patrons der Kirche. Vertrauensvoll werden manche Anliegen im Gebet den beiden Heiligen, welche auf ihre je eigene Weise wiederum auf Christus selbst hinweisen, anvertraut. Mehr Informationen zu unserem Hauspatron unter "Unser Haus".
Fenster von Emil Wachter
Die Fenster der Seminarkirche sind von Emil Wachter entworfen im Jahre 1975 von der Firma Isele in Freiburg angefertigt worden. Inspiriert von den Kapiteln 1 und 11 des Hebräerbriefes zeichnen die drei Fenster des Chorraumes das erlösende Geschehen durch Christus in kosmischen Bildern und seinem irdischen Kreuzweg nach. Die Fenster des Kirchenschiffes spannen dann den großen Bogen der biblischen Erzählungen und der Heilsgeschichte vom Anfang bis in unsere Tage und somit in die Zeit und an den Ort, wo wir selbst stehen.
Trauernde Theologie
Die Frauenfigur darunter mit dem Stern auf der Stirn und den auf der Seite ruhenden Händen stellt symbolisch die trauernde Theologie dar, welche besonders der Getöteten Theologen gedenkt und nach den Erfahrungen des ersten Weltkrieges schon 1922 von Emil Stadelhofer (1872-1961) angefertigt wurde. Sie bleibt mahnende Figur gegen Gewalt und Unterdrückung.
Kreuzweg
Der Zyklus des Kreuzweges aus der Hand von Paul Brandenburg will den betenden Betrachter mit hinein in die Begegnung mit Christus auf seinem Leidensweg nehmen. Diese Begegnung geschieht in den unterschiedlichen Konstellationen der Gruppen auf diesem Weg. Der Weg mündet am Ende in Auferstehung und Himmelfahrt, erweitert so das klassische Repertoire der Kreuzwegdarstellung und durchbricht damit bildlich den Tod hin zur Auferstehung.
Tabernakel und Vortragekreuz
Tabernakel und Vortragekreuz sind Arbeiten von Alfred Erhart. Ersterer ist geschmückt mit biblischen Szenen, welche alttestamentliche Erzählungen aufgreifen wie etwa den Durchzug durch das Rote Meer (Ex 14), die wundersame Speisung in der Wüste mit dem Manna (Ex 16), welche schon früh als Vorausbilder für die Eucharistie gedeutet wurden. Die Innenseiten des Tabernakels zieren zwei griechische Schriftzitate aus dem Neuen Testament: „Dies ist das Brot, das vom Himmel herabsteigt, das lebendige Brot.“ (Joh 6,50) und „Ströme lebendigen Wassers werden aus seiner Seite strömen. (Joh 7,38). Auf dem Vortragekreuz ist Christus als Hoherpriester dargestellt und auf der Rückseite steht ebenfalls auf Griechisch: Kreuz des Todes und der Auferstehung.
Geläut
Zu Beginn der 2000er Jahre wurde das historische Geläute mit jeweils einer Glocke von 1626 und 1792 reaktiviert und mit einer Glocke aus dem Jahre 2002 erweitert und läutet zu den verschiedenen Gebetszeiten.
Orgel
Vor allem während der Eucharistiefeier (und durch einige auch beim Üben) ertönt die Orgel aus der Orgelwerkstatt Mönch und Prachtel / Überlingen aus dem Jahre 1980. Mit dem Hauptwerk, dem schwellbaren Positiv und dem Pedal, welche auf 29 Register zugreifen, erschallt so ihr Klang zum Lob und zur Ehre Gottes.










