„Selbstlose Liebe sei ihm eigen, unermüdliche Sorge für die Kranken und die Armen“ – Diakonenweihe im Münster
14.06.2020 |
In einem festlichen Gottesdienst wurde Mike Spitschu im Freiburger Münster von Erzbischof Stephan Burger zum Diakon geweiht. Zur Weiheliturgie, die eine vierköpfige Schola aus dem Priesterseminar unter der Leitung von Kirchenmusikdozent Eduard Wagner musikalisch gestaltete, kamen rund 100 Freunde, Verwandte und Wegbegleiter des frisch geweihten Diakons. Nach der Messe fand für knapp 30 engste Verwandte und Freunde ein Stehempfang in den Räumen unseres Seminars statt.
Die ‚äußeren Bedingungen‘ waren anders als sonst üblich bei einer Weihe: Wo sonst das Münster aus allen Nähten zu platzen droht, eine große Zahl an Klerikern und Ministranten sowie ein riesiger Domchor die Liturgie feiern und gestalten, war heuer nur eine kleine (vom Weihekandidaten ausgewählte) Gemeinde der Zutritt zum Gotteshaus gewährt. Dem inneren und wesentlichen Geschehen tat dies jedoch keinen Abbruch, wie zu spüren war.
Nach der Begrüßung der Gemeinde wurde der Weihekandidat von Regens Weihbischof Christian Würtz aufgerufen und dem Erzbischof vorgestellt. „Mit dem Beistand unseres Herrn und Gottes Jesus Christus, des Erlösers, erwählen wir diesen unseren Bruder zum Diakon“, erklärte der Erzbischof, worauf die Gemeinde ihre Zustimmung zur Erwählung des Diakons mit den Worten „Dank sei Gott, dem Herrn“ bekundete.
In seiner Predigt ging Erzbischof Stephan Burger auf zwei Worte ein, die zentral seien für alle Christen und besonders für jene, die wie der Weihekandidat eine besondere Berufung in sich verspürten: „Ja, Vater; Abba, Amen!“ Dies seien gleichsam auch die Urworte Jesu, wie der Erzbischof in Berufung auf den ehemaligen Würzburger Bischof Paul-Werner-Scheele erklärte. Die Antwort ‚Abba, Amen!‘ gebe auch Spitschu heute bei seiner Weihe. „Braucht es noch mehr für den Dienst des Diakons als diese Hingabe an den, der Sie beruft?“, fragte Burger. Sich immer wieder – wie Christus – der Menschen zu erbarmen, sei eine zentrale Aufgabe des Diakons.
Spitschu habe sich, so der Erzbischof in seiner Homilie weiter, für seinen Dienst vor allen Dingen auch deshalb entschieden, weil er in eine Beziehung mit Gott hineingewachsen sei, „weil sie einfach das zu tun, wozu sie die innere Stimme in ihrem Herzen und in ihrem Verstand ruft“. Diese Beziehung sei von Liebe, Vertrauen und Zutrauen getragen. „Und nur mit dieser Liebe im Herzen konnten Sie heute zu Beginn sagen: Ich bin bereit“. Stephan Burger bestärkte den Diakon darin, diese Beziehung zu Gott aus seiner Gnade heraus zu pflegen: „Gestalten Sie Ihr Leben mit Christus in Ihrem Herzen. Und tun Sie es vorbehaltlos. So werden Sie zu einem glaubwürdigen Zeugen seiner Liebe, seiner Caritas, seines Erbarmens.“
Im Anschluss an die Predigt stimmte die Schola den Heiliggeisthymnus („Komm, Heilger Geist, der Leben schafft“) an. Danach erklärte der Weihekandidat seine Bereitschaft, sich durch Handauflegung und die Gabe des Heiligen Geistes zum Dienst in der Kirche weihen zu lassen, die Bereitschaft, den Dienst des Diakons in selbstloser Hingabe zur Unterstützung des Bischofs und der Priester zum Wohl des christlichen Volkes auszuüben sowie die Bereitschaft, „den Schatz unseres Glaubens – wie der Apostel sagt – treu zu hüten und diesen Glauben gemäß dem Evangelium und der Überlieferung der Kirche in Wort und Tat zu verkünden“.
Zum Zeichen seiner Hingabe an Christus versprach Mike Spitschu zudem, um des Himmelreiches willen ehelos zu leben und für immer diesem Vorsatz treu zu bleiben, in dieser Lebensform Gott und den Menschen zu dienen.
Der Weihekandidat versprach weiter, aus dem Geist der Innerlichkeit zu leben, ein Mann des Gebetes zu werden und in diesem Geist das Stundengebet als Dienst zusammen mit dem Volk Gottes und für dieses Volk sowie für die ganze Welt treu zu verrichten, den Armen und Kranken, Heimatlosen und Notleidenden beizustehen, nach dem Bild und Beispiel Christi, sein Leben zu gestalten sowie dem Bischof und seinen Nachfolgern Ehrfurcht und Gehorsam entgegenzubringen. Dazu kniete sich Spitschu vor den Bischof und legt seine gefalteten Hände in jene des Bischofs.
Während der Allerheiligenlitanei, auf die die stellvertretend für die ganze Gemeinde die Schola antwortete, lag Mike Spitschu ausgestreckt vor dem Altar – Ausdruck dafür, dass sich der angehende Diakon vorbehaltlos in den Dienst Gottes stellen möchte. Erzbischof Stephan legte ihm darauf die Hände auf, während der ganze Kirchenraum in schweigendem Gebet verharrte. Anschließend sang der Bischof das Weihehochgebet, das die versammelte Gemeinde mit „Amen“ akklamierte. In ihm bittet die Kirche den allmächtigen Gott u.a. darum, den Kandidaten als Diakon, dem selbstlose Liebe, unermüdliche Sorge für die Kranken und die Armen eigen sei, in den Dienst an seinem Altare zu nehmen.
Es folgten noch die ausdeutenden Riten (Anlegen von Stola und Dalmatik, Überreichung des Evangeliars) und der Friedensgruß, den der Bischof dem Neugeweihten entbot – nicht wie üblich in Form einer Umarmung, sondern durch eine tiefe Verneigung und das laut hörbare „der Friede sei mit Dir!“
Die Messfeier wurde in gewohnter Weise fortgesetzt und der neugeweihte Diakon assistierte dabei gemeinsam mit Diakon Prof. Helmut Hoping, bei dem Spitschu seine Magisterarbeit schrieb, dem Bischof.
Die Weihe zum Diakon ist für Mike Spitschu eine Station auf dem Weg zur Priesterweihe und gilt als vorläufiger Höhepunkt auf dem Berufungs- und Ausbildungsweg als Priesterkandidat. Seit Oktober 2019 arbeitet er in einem einjährigen Pastoralpraktikum in der Seelsorgeeinheit Lauda-Königshofen, in die er nun als Diakon bis zur Priesterweihe im kommenden Sommer zurückkehren wird. Das Wort „Diakon“ stammt vom griechischen Verb „diakonein“. Es bedeutet „dienen“ und „fürsorglich helfen“.






