27. November - Ein Tag des Gedenkens

27.11.2020 |

Am 27. November 1944 erfolgte der große Angriff auf Freiburg. Große Teile der Innenstadt lagen danach in Schutt und Asche. Auch das Theologenkonvikt war davon betroffen.


  
 
Damit jährt sich heute zum 76. Mal der Tag der Bombardierung. Für viele bis heute unerklärlich blieben der Münsterturm und große Teile des Münsters von den Bomben verschont. Spuren der Verwüstung können bis heute nachvollzogen werden. Eine der Lücken wurde mit dem Bau des Münsterforums ja erst vor wenigen Monaten geschlossen. Photographien aus dem Archiv des CB sollen uns Mahnung sein, aber auch Auftrag, am Frieden mitzuarbeiten. Es sind Ansichten, welche das Ausmaß der Zerstörung erkennen lassen.
 
Der damalige Direktor des Konviktes hielt in den Aufzeichnungen zu diesem Tag fest: "Der 27. November aber brachte dann [...] eine einschneidendste Wendung. [...] Wir waren am Abend des 27. eben vom Abendtisch weggegangen, als Alarm gegeben wurde und bald darauf die ersten Bomben fielen. Der Direktor verbrachte sofort das Allerheiligste in den vorbereiteten Tabernakel in dem uns zur Verfügung stehenden Luftschutzraum des Altbaues. Der grössere Teil der Kommunität war während der ganzen Dauer des Angriffs um diesen Tabernakel versammelt. [Am Ende des Angriffs] bot sich dem ersten Blick und dem ersten Rundgang ein erschreckendes Bild der Zerstörung. [...] Der Brand fraß sich durch alle Stockwerke und Flügel hindurch. Als man das Übergreifen auf die Kirche befürchten musste, suchte der Direktor noch einmal Hilfe bei der Marine. [...] Aber angesichts des durch die Holzdecke und die lange Jahre mit Wachs behandelten Böden rasenden Feuers lehnte er eine Hilfe ab. [...] So konnten wir zunächst nur noch den Altaraufsatz und die grossen Statuen von den Seitenaltären bergen und mussten auch die Kirche ihrem Schicksal überlassen. E war die schwerste Stunde jender Nacht, als in den frühen Morgenstunden das gewaltige Gebälk über dem Chor der Kirche brennend auf den Altar und in den Altarraum niederbrach. [...] In der Zwischenzeit hatte das feuer über das Hinterhaus des Andlawhauses mit seinen mächtigen Holzkonstruktionen auf das Vorderhaus übergegriffen. [...] Es ist uns aber ein grosser Schmerz, dass die Akten unserer Gefallenen und Vermissten mit den gesammelten Lichtbildern und den anlässlich ihres Todes bei uns eingegangenen persönlichen Äusserungen von Angehörigen und Freunden verloren gingen. [...]"
 
Da immer wieder der Freiburger Münsterturm als Zeichen der Hoffnung in den Blick kommt, an dieser Stelle auch das berühmte Sonnett von Reinhold Schneider, welches er vor der Bombardierung dem Turm des Freiburger Münsters gewidmet hatte.
 
An den Turm der Freiburger Münsters

Steh' unerschüttert herrlich im Gemüte,
Du großer Beter glaubensmächtiger Zeit!
Wie Dich verklärt des Tages Herrlichkeit,
wenn längst des Tages Herrlichkeit verglühte.

So will ich bitten, dass ich treulich hüte
das Heilige, das Du ausstrahlst in den Streit,
und will ein Turm sein in der Dunkelheit
des Lichtes Träger, das der Welt erblühte.

Und sollt' ich fallen in dem großen Sturm,
so sei's zum Opfer, dass noch Türme ragen,
und dass mein Volk der Wahrheit Fackel werde.

Du wirst nicht fallen, mein geliebter Turm.
Doch wenn des Richters Blitze Dich zerschlagen,
steig in Gebeten kühner aus der Erde!