Zum besonderen Werkzeug Gottes und zum offenen Fenster in der Welt gemacht

08.05.2022 |

In einem festlichen Gottesdienst, der beinahe wieder unter Normalbedingungen stattfand, hat Erzbischof Stephan Burger Gia-Hoa Thomas Nguyen zum Priester geweiht. Die Weiheliturgie wurde von einer neunköpfigen Schola unter der Leitung unseres Kirchenmusikdozenten Eduard Wagner musikalisch gestaltet. Nach der Messfeier im Freiburger Münster hatten Familienangehörige, Freunde und Weggefährten des Neupriesters bei einem Stehempfang im Garten unseres Seminars die Möglichkeit, Gia-Hoa Thomas Nguyen zu beglückwünschen.

Gut gefüllt war das Münster ULF, als nach der Begrüßung der Gemeinde der Weihekandidat von Regens Weihbischof Christian Würtz aufgerufen und dem Erzbischof vorgestellt wurde. „Mit dem Beistand unseres Herrn und Gottes Jesus Christus, des Erlösers, erwählen wir diesen unseren Bruder zum Priester.“, erklärte der Erzbischof, worauf die Gemeinde ihre Zustimmung zur Erwählung des Diakons mit den Worten „Dank sei Gott, dem Herrn“ bekundete.
In seiner Predigt ging Erzbischof Stephan Burger auf das Wesen des Priestertums und der Berufung zu diesem Dienst ein. „Grundlage des Dienstes ist die Berufung durch Gott. Diese ihre Berufung zum priesterlichen Dienst erhält heute durch die sakramentale Weihe ihre Bestätigung und die Bevollmächtigung zur Ausübung dieses Dienstes“, so der Erzbischof an den Weihekandidaten gerichtet.
Es müsse bei der Ausübung des Priesterdienstes um die innerliche Liebesbeziehung zu Christus gehen. „Sich allein in dieser Liebe zu verankern, sich allein dieser Liebe zu schenken, ermöglicht ein Leben im Zölibat, ermöglicht priesterliche Existenz überhaupt“, sagte Burger. Der Priester müsse den Blick auf Christus freigeben, sein Wort verkünden: „Der priesterliche Dienst will verstanden werden als offenes Fenster, das ermöglicht, das göttliche Licht den Menschen näher zu bringen (…).“
Außerdem nahm Burger Bezug auf den Primizspruch von Gia-Hoa Thomas Nguyen: Meine Stärke und mein Lied ist der Herr (Jes 12,2). „Bringen Sie diese Stärke, dieses Lied Gotte zu den Menschen, damit jene im Glauben nicht verzagen, sondern frohen Mutes und mit Zuversicht mit Christus, dem guten Hirten unterwegs sein zu können.“
Im Anschluss an die Predigt stimmte die Schola den Heiliggeisthymnus („Komm, Heilger Geist, der Leben schafft“) an, woraufhin der Weihekandidat seine Bereitschaft erklärte, als Mitarbeiter des Bischofs die Gemeinde umsichtig zu leiten, den Dienst am Wort Gottes getreu zu erfüllen, die Mysterien Christi (Sakramente) in gläubiger Ehrfurcht zu feiern, mit dem Bischof im Gebet für die Gemeinde vor Gott zu treten, den Notleidenden, Armen, Kranken und Heimatlosen beizustehen sowie die Bereitschaft, sich Tag für Tag enger an Christus zu binden. Danach kniete sich Gia-Hoa Thomas Nguyen vor dem Bischof nieder und versprach ihm und seinen Nachfolgern Ehrfurcht und Gehorsam.
Während der Allerheiligenlitanei, auf die die ganze Gemeinde singend antwortete, lag Gia-Hoa Thomas Nguyen dann ausgestreckt vor dem Altar – Ausdruck dafür, dass er sich vorbehaltlos in den Dienst Gottes stellen möchten. Während der ganze Kirchenraum in schweigendem Gebet verharrte, legte ihm Erzbischof Stephan die Hände auf. Anschließend sang der Bischof das Weihehochgebet, das die versammelte Gemeinde mit „Amen“ akklamierte. In ihm bittet die Kirche den allmächtigen Gott u.a. darum, „in ihm [dem Weihekandidaten] den Geist der Heiligkeit“ zu erneuern.
Es folgten noch die ausdeutenden Riten: Das Anlegen der Messgewandes und die Salbung der Handflächen mit Chrisam, die verbunden ist mit der Bitte um Stärkung für den Dienst am Volk Gottes. Anschließend übergibt der Bischof Kelch und Patene: „Empfange die Gaben des Volkes für die Feier des Opfers. Bedenke, was du tust, ahme nach, was du vollziehst, und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes.“ Der Friedensgruß, den der Bischof dem Neugeweihten entbot leitete schließlich zur Eucharistiefeier über, bei der der neugeweihte Priester erstmals mit dem Bischof konzelebrierten.
Am Ende der Liturgie stand der feierlich gesungene Primizsegen.